Wissenschaftliches Paper als Masterarbeit

Als Alternative zur klassischen Masterarbeit kann im Masterstudiengang an der Münster School of Business ein wissenschaftliches Paper (z. B. für eine Konferenz oder ein Journal) als Prüfungsleistung eingereicht werden. Diese Möglichkeit richtet sich an forschungsaffine Studierende, die sich frühzeitig mit wissenschaftlichem Publizieren auseinandersetzen möchten.

Warum ein wissenschaftliches Paper statt einer klassischen Thesis?

Die Bearbeitung eines wissenschaftlichen Papers bietet einige besondere Chancen – aber auch Herausforderungen:

  • Forschung hautnah erleben: Sie sammeln tiefgehende Forschungserfahrungen und erhalten einen ersten Einblick in die Scientific Community. Dies kann auch als Vorbereitung auf eine mögliche Promotion dienen.
  • Potenzieller Mehrwert im Lebenslauf: Die Möglichkeit zur Veröffentlichung und/oder Präsentation auf einer Konferenz kann ein starkes Argument in Bewerbungsprozessen sein.
  • Präsentationsfähigkeiten stärken: Im Falle einer Konferenzteilnahme trainieren Sie Ihre wissenschaftliche Kommunikationsfähigkeit.
Achtung

Auch wenn das Paper in der Regel kürzer als eine klassische Thesis ist (ca. 15 Seiten), bedeutet dies nicht automatisch einen geringeren Aufwand, da ein zusätzliches Dokument eingereicht werden muss, das z. B. die strukturierte Literaturanalyse (vgl. vom Brocke u. a. 2009), Methodendiskussionen oder ausführlichere Datenanalysen enthält, die im Paper selbst keinen Platz finden. Dadurch ergibt sich insgesamt ein vergleichbarer Umfang wie bei einer regulären Abschlussarbeit (ca. 60 Seiten).

Was sind die besonderen Herausforderungen?

So attraktiv die Option eines wissenschaftlichen Papers auch ist – sie bringt einige spezifische Anforderungen mit sich, die Sie realistisch einschätzen sollten:

  • Höhere inhaltliche Anforderungen: Ein Paper muss einen klaren wissenschaftlichen Beitrag leisten und eine Forschungslücke adressieren. Das erfordert ein systematisches Vorgehen und vertiefte Literaturarbeit.
  • Zusätzliche Dokumentation erforderlich: Neben dem Paper ist ein ergänzendes Dokument einzureichen, das zusätzliche methodische oder analytische Informationen enthält – insbesondere dann, wenn diese nicht im Paper selbst untergebracht werden konnten.
  • Kompakte Darstellung: Die Reduktion auf ca. 15 Seiten verlangt ein hohes Maß an Struktur, Präzision und Klarheit in der Argumentation.
  • Zeitliche Doppelbelastung: Konferenzdeadlines, Review-Prozesse und ggf. Reisekosten kommen zusätzlich zum üblichen Thesisprozess hinzu.
  • Sprache: Das Paper muss auf Englisch verfasst werden, inklusive der wissenschaftlich korrekten Terminologie.
  • Keine garantierte Veröffentlichung: Auch wenn eine Veröffentlichung angestrebt werden kann, ist sie keine Voraussetzung. Der Bewertungsmaßstab der Hochschule bleibt unabhängig vom Peer Review.

Diese Punkte bedeuten nicht, dass Sie das Vorhaben nicht schaffen können – aber sie machen klar, dass eine realistische Planung und intrinsische Motivation zentrale Erfolgsfaktoren sind.

Rahmenbedingungen

  • Frühester Zeitpunkt: Ab 40 ECTS (DigiBIM) bzw. 60 ECTS (Logistik) ist das Paper als Thesis-Alternative möglich.
  • Formelle Anforderungen wie bei einer regulären Thesis:
    • Betreuung durch zwei Prüfende.
    • Offizielle Anmeldung über das Prüfungsamt.
    • Kolloquium nach der Abgabe.
  • Sprache: Englisch.
  • Das Zieljournal oder die Zielkonferenz muss ein Mindestrating von „C“ aufweisen.1
  • Eine tatsächliche Veröffentlichung ist nicht erforderlich – das Paper wird von der FH unabhängig davon bewertet.
  • Zusätzlicher Aufwand möglich bei Konferenzteilnahme (z. B. Reise, Gebühren, Vorbereitungszeit).

Wie läuft der Prozess ab?

Der Ablauf unterscheidet sich nur leicht von dem einer klassischen Thesis:

  1. Themensuche: Ihre Seminararbeit kann ein guter Ausgangspunkt sein.
  2. Informationsgespräch mit Betreuer:in: Klären Sie frühzeitig, ob die Betreuung möglich ist.
  3. Exposé: Reichen Sie ein Exposé ein, in dem Sie die Forschungsidee sowie das Zieljournal oder die Zielkonferenz benennen.
  4. Entscheidung über Annahme: Die Betreuungsperson entscheidet, ob sie das Vorhaben unterstützt.
  5. Anmeldung beim Prüfungsamt: Die Anmeldung erfolgt wie bei einer regulären Abschlussarbeit.
  6. Bearbeitung: Schreiben Sie Ihr Paper im vereinbarten Zeitraum. Zusätzlich erstellen Sie ggf. ein erläuterndes Zusatzdokument.
  7. Abgabe und Kolloquium: Auch für das Paper findet ein Kolloquium statt, in dem Sie Ihre Ergebnisse präsentieren und Fragen beantworten.

Was ist sonst noch wichtig?

  • Die systematische Literaturanalyse und die fundierte Herleitung einer Forschungslücke sind entscheidend.
  • Sie müssen in der Lage sein, komplexe Inhalte kompakt und präzise zu formulieren.
  • Deadlines von Journalen oder Konferenzen können eine zusätzliche Belastung darstellen – planen Sie entsprechend realistisch.
  • Wenn Sie ein Paper schreiben, das auch zur Konferenz eingereicht wird, können durch Peer Reviews Zusatzaufwand entstehen.

Bei Fragen oder Interesse an dieser Form der Prüfungsleistung sprechen Sie mich gerne an!

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Literatur

vom Brocke, Jan, Alexander Simons, Björn Niehaves, Kai Riemer, Ralf Plattfaut, und Anne Cleven. 2009. Reconstructing the Giant: On the Importance of Rigour in Documenting the Literature Search Process. In Proceedings of the 17th European Conference on Information Systems (ECIS 2009), herausgegeben von Susan Newell, Edgar A. Whitley, Nancy Pouloudi, Jonathan Wareham, und Lars Mathiassen, 2206–17. http://aisel.aisnet.org/ecis2009/161.

Fußnoten

  1. Falls das Journal oder die Konferenz kein offizielles Ranking (z. B. VHB-JOURQUAL oder CORE-Rating) besitzt, sollte es sich dennoch um eine anerkannte wissenschaftliche Publikationsplattform handeln, die ein Peer-Review-Verfahren durchführt und hinsichtlich Anspruch und Sichtbarkeit (z. B. Impact Factor, Reputationsniveau) vergleichbar ist.↩︎